Ziel und Problemsituation
Die Massenspektrometrie (MS) ist eine anerkannte Methode zur Untersuchung von Biopolymeren wie Proteinen, Nukleinsäuren, Lipiden oder Polysacchariden, ebenso wie zur Charakterisierung von Naturstoffen. Dennoch gibt es nur wenige Anwendungen zur Untersuchung enzymatischer Reaktionen mit Hilfe der besonderen Eigenschaften dieser Technik. Das Ziel dieser Arbeit war die Entwicklung von Methoden für die massenspektrometrische Untersuchung enzymatischer Reaktionen, insbesondere mit Elektrospray-Ionisation (ESI) Massenspektrometrie und MALDI Massenspektrometrie.
Der Schwerpunkt der Arbeit lag in der Entwicklung von Methoden zur weiteren Untersuchung des Enzyms Ribonuklease T1 (RNase T1, EC 3.1.27.3), da die bisher etablierten Methoden nicht ausreichende Möglichkeiten zur Untersuchung von längerkettigen Substraten, erhöhten Substratkonzentrationen und alternativen Substraten bieten. Weiterhin sollten Methoden entwickelt werden, die eine schnelle und einfache Untersuchung der enzymatischen Eigenschaften von Ribonuklease T1 in Bezug auf eine geänderte Spezifität erlauben und sich zur Kombination mit semi-rationalen Methoden des Protein-Designs eignen.
Ergebnisse
Es wurden drei Methoden zur Untersuchung enzymatischer Reaktionen mit massenspektrometrischen Techniken entwickelt und ihre Leistungsfähigkeit am Beispiel von Ribonuklease T1 (wildtyp) und einer Variante gezeigt. Zur Durchführung der online Untersuchungen wurde eine nano Elektrospray Ionenquelle entwickelt.
Um die Fähigkeiten dieser Methode zu demonstrieren wurden
Parameter für die enzymatische Umesterung von GpC
(Guanylyl-3
,5
-cytidin) zu cGMP
(Guanosin-2
,3
-phosphodiester) und Cytidin, dem
Standardtest für die Untersuchung von RNase T1, ermittelt. Die
ermittelten Parameter ließen sich jedoch nur unter bestimmten
Voraussetzungen mit den in der
Literatur veröffentlichten Daten vergleichen, da die
Reaktionen in einer veränderten Umgebung mit deutlich
geringerer Ionenkonzentration durchgeführt wurden. Dies
spricht aber nicht gegen den Einsatz als screening
Methode, da in diesem Fall alle Reaktionen unter identischen
Bedingungen durchgeführt werden.
Weiterhin wurden kinetische Parameter für die Umesterung von
ApC (Adenylyl-3
,5
-cytidin) zu cAMP
(Adenosin-2
,3
-phosphodiester) und Cytidin durch eine
Variante von RNase T1 (RNase T1 RV) bestimmt. Im Gegensatz zum
spektrophotometrischen Test ist die Untersuchung mit
Massenspektrometrie nicht durch die hohe Eigenabsorption des
Substrats ApC eingeschränkt.
Zur Untersuchung des zweiten Reaktionsschritts der durch RNase T1 katalysierten
Spaltung von Ribonukleotiden, der Esterhydrolyse von
Nukleosid-2
,3
-phosphodiestern zum
Nukleosid-3
-monophosphat durch RNase T1, existiert zur Zeit
kein spektrophotometrischer Test. Durch den Einsatz der hier
entwickelten Methode war es möglich, enzymkinetische Parameter
für diese Reaktion zu ermitteln.
Die Möglichkeiten der online Untersuchungen wurden durch die Untersuchung der enzymatischen Spaltung von Dinucleosidmonophosphaten durch RNase T1 demonstriert. Die dabei gesammelten Daten bestätigten den von JAN BACKMANN et al.[1] vorgeschlagenen Mechanismus der RNase T1.
Die Eigenschaften der in dieser Arbeit entwickelten NANOES Ionenquelle (Untersuchung von wässrigen Lösungen ohne den Zusatz von leichtflüchtigen Lösungsmitteln, geringe Flußraten) konnte durch zahlreiche Versuche bestätigt werden; zum einen durch die online Untersuchungen enzymatischer Reaktionen, die in gepufferten wässrigen Lösungen durchgeführt wurden. Zum anderen konnten durch die geringen Flußraten und die daraus resultierenden langen Untersuchungszeiten auch mit kleinen Probenmengen die Struktur einiger Metaboliten aufgeklärt werden[2,3,6,5].
Zur Untersuchung von RNase T1 wurde ein Substrat entwickelt, das von RNase T1 Wildtyp an genau zwei Stellen gespalten werden konnte. Die Untersuchung von RNase T1 (Wildtyp) und der RNase T1 Variante RV ergab, daß RNase T1 eine Präferenz für Spaltstellen hat, die in eine längere Oligonukleotidkette eingebettet sind. Weiterhin lieferte diese Untersuchung eindeutige Hinweise darauf, daß RNase T1 eine weitere, bisher unbekannte Bindungsstelle für ein Nukleosid oder eine Phosphatgruppe hat.